DWDS-Artikel des Tages am 04.03.2026
Sind die Augen der Weltöffentlichkeit auf einen gerichtet, kann ein einziger Satz genügen, eine große Kontroverse auszulösen. Ein Beispiel ist eine Bemerkung, die John Lennon im März 1966 in einem Interview mit dem London Evening Standard machte: „We’re more popular than Jesus now.“ Isoliert gelesen klingt das nach Größenwahn. Tatsächlich äußerte Lennon den Satz im Rahmen einer Reflexion über den Bedeutungsverlust des Christentums in Großbritannien und den überwältigenden Erfolg der Beatles. Ein gewagter Vergleich, ja. In Großbritannien blieb das Interview jedoch weitgehend ohne Resonanz. Erst als ein US-Magazin das Zitat im Juli 1966 prominent abdruckte, folgten vor allem im amerikanischen Süden heftige Reaktionen: Radiosender boykottierten Beatles-Songs, es kam zu Protesten und öffentlichen Schallplattenverbrennungen, selbst der Ku-Klux-Klan trat in Erscheinung. Die Affäre überschattete die dritte und letzte US-Tournee der Band im August 1966.